Sie befinden sich hier:
 Home › Fernsehpreis › Preisträger

JuryZoom
Jury 2009

Bewerbungen für den Hessischen Fernsehpreis nimmt die gemeinsame Geschäftsstelle der Hessischen Filmförderung entgegen. Die Bewerbungsunterlagen müssen bis spätestens 15. Juli des laufenden Jahres in kompletter Ausführung vorliegen. Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Reglement.

Reglement / Bewerbungsformular als Download: Fernsehpreis_Bewerbungsformular Fernsehpreis_Fördermemo Fernsehpreis_Reglement

Die Preisträger:

Hessischer Fernsehpreis 2009 -

Foto: Nina Kunzendorf
Beste Darstellerin: Nina Kunzendorf
Ausgezeichnet für ihre Rolle in
"Tatort: Neuland"
(Regie: Manuel Flurin Hendry, Deutschland 2008, Hessischer Rundfunk)


Foto: Florian Bartholomäi
Bester Darsteller: Florian Bartholomäi
Ausgezeichnet für seine Rollen in
"Bloch: Schattenkind" (Regie: Christoph Stark, Deutschland 2008, SWR)

Foto: Peter Lerchbaumer
Bester Darsteller: Peter Lerchbaumer
Ausgezeichnet für seine Rollen in
"Der Mann auf der Brücke" (Regie: Rolf Silber, Deutschland 2009, Hessischer Rundfunk)

Jurybegründung Nina Kunzendorf: "Nein, leichte Rollen, eindimensionale Charaktere und oberflächliche Geschichten sind ihre Sache nicht. Nina Kunzendorf spielt meist Frauen in emotionalen Ausnahmesituationen. Das war in Dominik Grafs „Polizeiruf“-Internet-Krimi „Der scharlachrote Engel“ so, in Matti Geschonneks Thriller „Entführt“ oder in Rainer Kaufmanns Drama „Marias letzte Reise“. Nina Kunzendorf scheint abonniert aufs Dramatische. Und fast ist man als Zuschauer geneigt zu sagen: Das ist gut so. Denn wie sie diese taffen, spröden oder sperrigen Frauenfiguren spielt, ist unnachahmlich. Den Hessischen Fernsehpreis erhält die Schauspielerin genau für so eine Frau in einer Grenzsituation – eine typische Kunzendorf-Figur, kein Schatzi, das dem Zuschauer auf den Schoss springt. In dem Frankfurter „Tatort: Neuland“ spielt sie eine Episodenhauptrolle an der Seite Jörg Schüttaufs. Sie mimt in einem tragisch-hitzigen kriminalistischen Provinzwestern Dellwos alte Liebe Katrin Reuter, die verheiratet ist, zwei Kinder hat, ein eher tristes, eintöniges Landleben führt und deren eifersüchtiger Mann ins Visier des Kommissars gerät. Mit ihren leicht ins Herbe gehenden Gesichtszügen, der unverwechselbar markanten Stimme und ihrem nuancierten Spiel macht Nina Kunzendorf diese Rolle zu einem echten Seherlebnis. Sie schafft es Stimmungen zu erzeugen, mit ihnen zu spielen und der Geschichte die richtigen Wendungen zu geben. Diese Figur bleibt beim Zuschauer haften – wie eigentlich die meisten ihrer Rollen. „Man muss schon aufmerksam hinschauen und sich interessieren für das, was hinter meinen Figuren steckt“, sagt die ideale Antiheldin, die keine Sympathie-Trägerinnen spielt, die aber einen Film tragen kann."

Jurybegründung Florian Bartholomäi: "Gleich zweimal wird in diesem Jahr der Hessische Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Darsteller“ vergeben. Zum einen an einen jungen, talentierten Mimen, der am Beginn einer großen Karriere steht. Zum anderen an einen Schauspieler, den man am Theater, nicht despektierlich, sondern liebevoll als „alten Hasen“ bezeichnen würde und dessen Gesicht im Fernsehen durch zahlreiche Rollen bestens vertraut ist. Bereits mit 16 Jahren bekam Florian Bartholomäi seine erste Hauptrolle. Im Jugenddrama "Kombat Sechzehn" spielte er einen Jungen, der sich nach einem Umzug von West- nach Ostdeutschland mit Neonazis auseinandersetzen muss. An der Seite von Edgar Selge meisterte er dann seine zweite Hauptrolle mit Bravour in dem rasant-witzigen Road Movie „Reine Geschmackssache“ - der Max Ophüls Preis als bester Nachwuchsdarsteller war die Folge. Jetzt hat er - mit gerade mal 22 Jahren - bereits ein kleines, feines Meisterstück abgeliefert. In der Folge „Schattenkind“ der renommierten ARD-Fernsehfilm-Reihe „Bloch“ spielt Florian Bartholomäi ein junges Zwillingsbrüderpaar, das vor einer folgenreichen Entscheidung steht. Lukas ist ein krebskranker junger Mann, der eine Lebertransplantation benötigt, um weiterleben zu können; sein Zwillingsbruder Lasse ist ein erfolgreicher Wasserspringer und will Lukas einen Teil seiner Leber spenden. Bloch soll die psychologische Evaluation des Organspenders machen, eigentlich eine "Formsache". Doch der Psychiater entdeckt schnell, dass Lasse große Wut auf seine Familie hat, im Schatten des kranken, umhegten Bruders steht und sich nur noch als ungeliebtes Ersatzteillager sieht. Eine Doppelrolle ist stets eine enorme Herausforderung für einen Schauspieler. Florian Bartholomäi meistert diese schwierige Aufgabe souverän. Er führt seine beiden Figuren sehr genau, authentisch und intelligent durch die subtile Geschichte und überzeugt durch seine emotionale Kraft. Gerade in den Szenen, in denen er quasi mit sich selbst agieren muss, wirkt sein Spiel äußerst intensiv. Hier kann der Zuschauer direkt vergleichen, wie unterschiedlich der junge Schauspieler seine Figuren anlegt und dabei vermittelt, wie nah und eng Zwillingsbrüder in Gestik und Mimik verbunden sind. Eine schauspielerisch hervorragende Leistung, die absolut preiswürdig ist."

Jurybegründung Peter Lerchbaumer: "Kommen wir nun zu einem Mann, der im Fernsehen wohl schon fast alles gespielt hat – vom Taxifahrer, Arzt, Bürgermeister, Küchenchef, Journalisten, Pathologen bis zum Kommissar. Selten war es die Hauptrolle, die für Peter Lerchbaumer reserviert war, er ist für jeden Regisseur eine sichere Bank für Rollen in der zweiten Reihe. In diversen Figuren und auch Genres - vom Drama bis zum Krimi, aber auch dem schwierigen Fach der Komödie wie kürzlich in der Pro7-Serie «Stromberg» - ist der Schauspieler regelmäßig auf dem Bildschirm präsent. Lerchbaumer ist ein gestandener, über viele Jahre theatererprobter Charakterdarsteller mit Ruhe, Übersicht, Verantwortung und – ja, das ist selten geworden - Autorität ausstrahlender Erscheinung. In seiner Heimatstadt Wien besuchte er die Schauspielschule Kraus, ging nach Berlin und gehörte 1977 zu den Gründungsmitgliedern des Kabaretts "Die Springmäuse". Er arbeitete für die Volksbühne Berlin und trat auf Bühnen in Frankfurt, Hamburg, Zürich und am Burgtheater Wien auf. Seit Mitte der 90er-Jahre arbeitet Lerchbaumer auch für das Fernsehen. Dem breiten Publikum bekannt ist er vor allem als Vorgesetzter des „Tatort“-Duos des HR, mit dem er seit 2002 ermittelt. In diesem Jahr konnte Peter Lerchbaumer – längst überfällig, möchte man an dieser Stelle sagen – endlich zeigen, dass er mit seiner Kraft, seiner Präsenz und seinem Charme einen Film beinahe allein tragen kann. In der Geschichte von Rolf Silber ist Peter Lerchbaumer „Der Mann auf der Brücke“ – so der Titel der Komödie. Bernie Berninger, Anfang 60 und Kioskbesitzer, beschließt eines Tages, seinem Leben ein Ende zu setzen. Der Eiserne Steg, die bekannte Frankfurter Mainbrücke, scheint ihm der geeignete Ort. Doch wie so oft in seinem Leben verlässt ihn das Glück. Statt sein Leben zu verlieren, rettet er mehr versehentlich als bewusst das Leben des kleinen Lukas, Sohn des Oberbürgermeisters. Bernie wird als Retter gefeiert und für Wahlkampf-Ziele benutzt, geht auf die Barrikaden und öffnet nach langem Zögern sein Herz für den kleinen Bengel, der dem alten Pessimisten noch mal eine ganz neue Sicht auf das Leben gibt. Facettenreich, unaufgeregt und mit manch herrlicher Schmunzeleinlage spielt Lerchbaumer diesen brummig grantelnden Quertreiber Bernie. Mit Ruhe, Kraft und Präzision besticht der Mime, diese Rolle – ja, hier darf man es sagen – diese Paraderolle lässt ihm alle spielerischen Möglichkeiten. Wirklich alle, denn er darf auch singen. In einer Szene erweist er sich als verschmitzt-verspielter Interpret des Liedes „Was für ein Ticker ist ein Politiker“ des Wiener Satirikers Georg Kreisler."